Wie ist ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar?

Wie ist ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar?

Ein Grundeinkommen ist finanzierbar, wenn man es will. Wenn man es nicht will, ist es nicht finanzierbar. Die Nichtfinanzierbarkeit ist zunächst der Ausdruck dessen, dass man es noch nicht will. Ein Grundeinkommen kann nur aus einer demokratischen Willensbildung in die Tat umgesetzt werden. Und die wird immer Überraschendes bieten durch die Menschen und ihre Ideen, auch entgegen Vermutungen.

Dieser Ausschnitt aus dem Film “Grundeinkommen – Ein Kulturimpuls” von Daniel Häni und Enno Schmidt erläutert eine mögliche Finanzierung etwas genauer.

Wo stehen wir – wie kann es weitergehen?

Auf der Seite netzwerk.nachdenklich betreibe ich noch einen weiteren Blog, der sich mit den Ungerechtigkeiten befasst, die tagtäglich mit uns geschehen – denen wir uns selber ausliefern.

Aus aktuellem Anlass ist dort das Thema Occupy zur Zeit brandaktuell. Wir befinden uns in einer Zeit des Wandels und der Veränderung. Wir sind dabei, zu begreifen, dass wir unsere Sichtweise auf die Dinge ändern müssen und auch unsere Art zu handeln.

Ich habe in diesem Blog folgenden Artikel verfasst – der aber auch sehr gut hierhin passt, da er unsere Art zu handeln kritisiert und hinterfragt, wie es denn nun weitergehen könnte:

Ein interessanter Punkt, den Matthias in seinem Post anspricht. Genau das hat mich zum Nachdenken angeregt. Und um das geht es ja schliesslich auf dieser Plattform nachdenklich.ch. Nachdenken. Still werden. Eigene Gedanken finden, ohne dabei vom Thema abzuweichen.

Damit ich mich nun aber dazu äussern kann, muss ich etwas weiter ausholen. Denn mit Politik oder Wirtschaft kommen wir einer besseren – oder sagen wir einmal gerechteren – Welt nicht näher. Das hat uns die Geschichte der letzten 2000 Jahre gezeigt. Es ist an der Zeit, dass wir nach Ursachen zu suchen beginnen und nicht einfach nur Symptome bekämpfen.

Matthias spricht die bedingungslosigkeit des Grundeinkommens an. Ein wichtiger Punkt. Ich möchte an dieser Stelle zitieren:

“Bedingungloses Einkommen. Wirklich bedingungslos? Das hört sich so an, als ob dann die, die nicht arbeiten auch bedingungslos ihr Einkommen haben. Und damit meine ich nicht die, die nicht arbeiten können. Sondern diejenigen, die nicht arbeiten wollen.”

Wo liegt da das Problem? Es ist doch jedem Menschen freigestellt, sich für oder gegen etwas zu entscheiden. Und dennoch sollte das Überleben garantiert sein. Erst recht in einer Gesellschaft, die am eigenen Geld fast erstickt. Eine Gesellschaft besteht aus vielen einzelnen Individuen und jedes von Ihnen hat bestimmte Vorlieben – aber auch bestimmte Fähigkeiten. Und genau darum sollte jeder Mensch für sich selber bestimmen können, ob er nun einer Erwerbstätigkeit im herkömmlichen Sinne nachgehen will, oder nicht.

Überleg Dir doch mal, wie sich eine Gesellschaft weiterentwickelt, die nicht auf Druck aufgebaut ist. Wir alle kennen diesen Druck. Lass diesen Druck einfach mal verschwinden. Hole tief Luft und frage Dich: Bin ich wirklich Glücklich mit dem, was ich jeden Tag mache, nur um an mein Geld zu kommen? Und wenn Du diese Frage mit Ja beantworten kannst, dann frag Dich weiter: Sind die Menschen in meinem Umfeld glücklich mit dem was sie tun, um ihr Geld zu bekommen?

Ich denke Du wirst nicht weit suchen müssen, um jemanden zu finden, der nicht glücklich ist damit, was er tun MUSS um an sein Geld zu kommen. Und genau das, will ich nicht länger tolerieren. Jeder sollte frei für sich selber bestimmen, was er tun will und womit er seine begrenzte Lebenszeit verbringt.

Schau Dir einmal das Angebot auf dem Arbeitsmarkt an. Gibt es wirklich kreative Berufe für all jene, die keine hochstehende Ausbildung gemacht haben? Gibt es menschenwürdige Arbeit, die ohne Monotonie verläuft für all jene, die keine hochstehende Ausbildung genossen haben? Diese Liste mit Fragen liesse sich beliebig weiterführen. Aber Fakt ist doch, dass das Angebot auf dem Arbeitsmarkt eintönig und nicht gerade abwechslungsreich ist. Und all diese Menschen werden mehr oder weniger dazu gezwungen, eine Arbeit zu verrichten, die ihnen entweder nicht entspricht, oder zu der sie nicht gemacht sind. Die Kosten, die ein System produziert, das auf einem solchen Zwang aufbaut, bezahlen schlussendlich wieder diese Arbeiter aus der eigenen Tasche, wenn sie ihr Krebsgeschwür operativ entfernen können. Weil sie ein Leben lang Frust in sich hineingefressen haben.

Nun zurück zum Grundeinkommen. Es ist wichtig zu verstehen, dass dieses Grundeinkommen ja nicht so hoch angesetzt werden soll, dass jetzt alle auf einen Schlag finden: “Herrlich! Ich bekomme nun soviel Geld wie ich brauche um auf dem selben Niveau zu leben, wie ich es bis anhin mit meiner 150% Stelle verdient habe.” Das wäre sicherlich die falsche Richtung. Es soll gewährleistet bleiben, dass Leistung weiterhin belohnt wird.

Nehmen wir einmal an, wir alle erhalten ein Grundeinkommen von 2’200.00 Franken. Ich glaube nicht, dass sich nun alle mit diesem Betrag zufrieden auf die Couch legen, und einfach faul auf der Haut liegen. Diejenigen, die das wollen – die sollen das machen. Aber glaubst Du wirklich, dass es diese Menschen heute noch nicht gibt? Es gibt sie, und wir finanzieren deren Sozialhilfe oder deren Arbeitslosengeld mit unseren Zahlungen an Vater Staat. Lustigerweise haben aber immer alle – wenn es um die Diskussion Grundeinkommen geht – diese riesige Angst davor, dass dann auch diejenigen ein Grundeinkommen erhalten, welche nicht arbeiten wollen. DIESES EINKOMMEN ERHALTEN SIE ABER SCHON HEUTE – OHNE DAS GRUNDEINKOMMEN!

So, nun haben wir also verstanden, dass sich an dieser Situation nichts ändert. Lediglich die Bezeichnung für eine bereits Existierende Situation ändert sich. Was also ändert sich mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens?

Die Bevormundung durch den Staat fällt weg. Arbeitsämter können Menschen nicht mehr einfach zu Tätigkeiten drängen, die diese gar nicht annehmen wollen. Nicht weil sie faul sind, sondern weil sie diese Tätigkeiten nicht gerne machen. Weil es nicht ihren Fähigkeiten entspricht. Der Druck fällt weg – die Existenzangst, die jeder von uns kennt, der schon einmal arbeitslos wurde. Und es entsteht ein Raum, in welchem Bürger plötzlich als mündige und erwachsene Menschen für sich selber verantwortlich werden können.

Ein weiteres Beispiel ist natürlich – und hier spreche ich aus eigener Erfahrung – dass Arbeitgeber, welche ihre Angestellten zu Hungerlöhnen arbeiten lassen, sich plötzlich damit konfrontiert sehen, dass sie nicht länger einfach am längeren Hebel sitzen und ihre Angestellten zu unfairen Bedingungen anstellen können. Denn mit einem Grundeinkommen würde niemand mehr für einen Arbeitgeber arbeiten, der schlecht bezahlt. Weil wir frei wären. Frei zu gehen und zu sagen: “Das mache ich zu diesen Bedingungen nicht mehr.” Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass das Grundeinkommen die Kosten im Krankheitswesen entlasten verringern würde. Und dies lediglich dadurch, dass weniger Stress-, und Angstbedingte Krankheiten unter den Erwerbstätigen vorhanden wären.

Leider ist es aber zur Zeit so, dass das “System” von diesen Krankheiten profitiert – genau darum wird auch niemals das Problem einer Kranheit beseitigt, sondern es werden immer nur die Symptome bekämpft. So verdient der Staat mächtig mit und wir Bürger bürgen mit unserem Leben dafür. Prächtig!

Also ich würde einmal damit beginnen, das Wort Arbeit ein bisschen genauer zu betrachten. Was ist eigentlich Arbeit? Und ich meine jetzt nicht Erwerbsarbeit – was das ist, wissen wir alle. Arbeit – oder sollte ich sagen eine Aufgabe? Eine Aufgabe die einem mit Sinn erfüllt. Eine sinnvolle Arbeit also. Eine Tätigkeit, die man gerne macht und einem am Abend erfüllt und zufrieden ins Bett gehen lässt. Wo gibt es das? Und wenn es dies in der Schweiz gibt, für wen gibt es das? Für jene, die sich glücklich schätzen können, einen guten Start ins Leben gefunden zu haben, die eine gute Ausbildung genossen haben. Für alle anderen gibt es das nicht. Leider. Und genau daran könnte das bedingungslose Grundeinkommen etwas ändern.

Denn all jene, die nicht damit zufrieden sind, was sie tagtäglich tun MÜSSEN könnten plötzlich für sich selber entscheiden, was sie tun WOLLEN. Das ist für mich der springende Punkt: Ich bin überzeugt, dass das Grundeinkommen unserer Gesellschaft dabei helfen kann, einen grossen Schritt zu tun. Einen Schritt in Richtung Selbstbestimmung, einen Schritt uns selber als Menschen wieder näher zu kommen. Denn wir haben uns in all den Jahren der Industrialisierung immer weiter von uns selber entfernt. Wir haben uns von unserem Kern entfernt und leben nur noch in sollen und müssen. Dabei haben wir vergessen, dass es auch ein können und wollen gibt. Und es gibt sogar ein Gesetz, welches uns als Menschen genau dieses Recht zusichert: Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) von 1948. Dazu möchte ich an dieser Stelle einige Passagen aus diesem Gesetz einflechten:

Artikel 18 – Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit

  • Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden.

Artikel 19 – Meinungs- und Informationsfreiheit

  • Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäusserung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Artikel 23 – Recht auf Arbeit und gleichen Lohn, Koalitionsfreiheit

  • Jeder Mensch hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf angemessene und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz gegen Arbeitslosigkeit.
  • Alle Menschen haben ohne jede unterschiedliche Behandlung das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
  • Jeder Mensch, der arbeitet, hat das Recht auf angemessene und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert und die, wenn nötig, durch andere soziale Schutzmassnahmen zu ergänzen ist.
  • Jeder Mensch hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen Berufsvereinigungen zu bilden und solchen beizutreten.

Nun wird klar, dass es heute schon beängstigend normal geworden ist, diese Gesetze zu brechen und dass viele von uns unter Bedingungen leben, die eigentlich durch diese Gesetze geschützt werden müssten.

Freie Berufswahl. Wer von all den Menschen, die nicht das Glück hatten, eine hochstehende Ausbildung zu geniessen, kann wirklich frei seinen Beruf wählen? Der Druck, der auf uns lastet, unseren Zahlungen nachzukommen – Zinsen zu bezahlen, die wir selber nicht einmal verursacht haben – zwingt uns, eine Arbeit anzunehmen, die wir lediglich deshalb verrichten, weil wir nicht gänzlich unter dem Berg der ständig hereinflatternden Rechnungen, Mahnungen und Betreibungen begraben werden wollen. Die Existenzangst ist das mächtige Werkzeug einer von geldgierigen und machtbesessenen “Nimmersatten” regierten Gesellschaft. Und damit komme ich langsam wieder auf den Kern zurück. Solange wir mit uns spielen lassen, solange wir uns als Sklaven der eigenen Ansprüche sehen, solange werden sie mit uns machen können, was sie wollen.

Dafür – oder besser gesagt, dagegen – steht Occupy. Darum lohnt es sich, nicht einfach Symptome bekämpfen zu wollen, sondern die Wurzeln des Übels anzupacken und revolutionäre Forderungen zu stellen. Revolutionär sind diese Forderungen lediglich deshalb, weil wir verlernt haben, den Wandel als natürlich zu betrachten. Weil wir uns gewohnt sind, dass alles in gewohnten Bahnen verläuft. Weil wir Angst vor der Veränderung haben. Was bringt es, eine eiternde Wunde immer wieder zu desinfizieren, wenn man die Ursache – den Dreck, der in unseren Köpfen nistet – nicht bekämpft und damit beginnt, einen anderen Lebenswandel zu führen?

Viele wollen eine Veränderung. Diese Veränderung ist aber schon jetzt an unzählige Bedingungen geknüpft und hat somit keinen Augenblick lang die Gelegenheit gehabt, sich aus sich selber heraus zu entwickeln. Frei und bedingungslos. Weil wir Angst haben. Angst vor Freiheit. Weil Freiheit gleichzeitig auch Verantwortung bedeutet. Und das wollen die wenigsten von uns: Verantwortung. Wirklich für sich selber verantwortlich zu sein, heisst weit mehr, als einem geregelten Erwerb nachzugehen. Verantwortung zu tragen bedeutet, dass wir mit unseren Ressourcen respektvoll umgehen. Dass wir mit unserer Erde in Einklang leben. Dass wir unseren Kindern eine Welt zurücklassen, die intakt und gesund ist.

Viele mögen mich jetzt verurteilen, aber sogar die Primaten und der ganze Rest vom Tierreich – welches wiederum vom Menschen zu egoistischen Selbstzwecken ausgebeutet wird – sind uns Menschen in dieser Hinsicht weit überlegen. Sie haben den Mut zur Verantwortung, sie respektieren die Grenzen, die ihnen von der Natur vorgegeben werden. Wir haben das verlernt. Wir können nur zerstören und ausbeuten. Wir können nur stehlen, was uns nicht gehört – ohne dafür etwas zurückzugeben. Weil wir uns vom Leben soweit entfernt haben, dass wir unsere Ängste und Gefühle nur noch im Konsum ersticken können. Weil wir uns selber nicht mehr ertragen. Weil wir Angst vor den Konsequenzen haben. Feige! Und das nennt sich dann zivilisiert und gebildet. Schande!

Matthias schreibt weiter:

“Man soll sich mal dieses Wort durch den Kopf gehen lassen. Bedingungslos. Was beinhaltet das? Was bleibt bei diesem Wort in den Köpfen der meisten, die nicht eine Initiative gelesen haben, hängen?”

Bedingungslos: Frei von Bedingungen – nicht an eine Bedingung geknüpft – ohne Bedingung. DAS sollte man sich einmal durch den Kopf gehen lassen! Allen Mut zusammen nehmen und sich getrauen. Daran zu glauben, dass es so etwas tatsächlich gibt. Dieser Prozess braucht Kraft. Und Zeit. Wir sind uns gewohnt, dass alles und jedes an irgendeine Bedingung gekoppelt ist. Wir lernen das schon von unseren Eltern, die mit Liebesentzug drohen, wenn wir nicht ihrem Wunschbild entsprechen. Und ich werfe das nicht unseren Eltern vor, denn die haben es auch nicht anders gelernt. WIR aber sind die Zukunft. Wir können etwas ändern. Wenn wir begreifen, dass nicht alles so sein kann, wie wir uns das wünschen. Loslassen. Zur Ruhe kommen. In die Stille hineinhören. Erkennen, dass da nichts ist – aber auch wirklich gar nichts – wovor wir uns zu fürchten haben; ausser das Leben selbst, das in seiner wundervollen Kraft pulsiert und sich ständig aus sich selbst heraus reproduziert. Bedingungslos. Ohne nach Recht und Unrecht zu fragen. Ohne wenn und aber. Das ist Veränderung. Und dieser Veränderung können wir uns nicht entziehen, auch wenn viele der Ansicht sind, dass sie mit aller Kraft an bestehenden Denkmustern festhalten müssen, weil ihnen sonst die Kontrolle entgleitet.

Finanzmarkt, Zinsen, Darlehen, Kredite, Politik, Parteien, Gehälter, Steuern, Kapital, Wirtschaft, Währungen, Banken – all das sind lediglich Symptome einer von Grund auf kranken Gesellschaft. Es sind nicht die Auslöser für die miserable Situation, in der wir uns alle befinden. Es sind Symptome, die in unseren Köpfen zu Geschwüren heranwachsen, deren Ausmass alles bisher Dagewesene klein und nichtig erscheinen lässt. Unser Glaube daran gibt ihnen die Kraft, über unser Leben zu bestimmen.

Ist es wirklich sinnvoll, wenn wir versuchen – die wir uns im Recht sehen, die wir das Gefühl haben, etwas verändern zu wollen – unser Gegenüber einfach in eine Ecke zu drängen und somit nichts anderes tun, als das was mit uns geschehen ist? Ist es sinnvoll, wenn wir unser Gegenüber gleich behandeln wie wir von unserem Gegenüber behandelt werden? Ist es sinnvoll, wenn wir unser Gegenüber einfach beschimpfen? Wenn wir mit Ausdrücken um uns werfen, deren Macht wir durch unseren Glauben daran selber gestärkt haben?

Ich möchte diese Fragen offen stehen lassen und jeder soll versuchen, diese Fragen für sich selber in einer ruhigen Minute zu beantworten. Ich glaube allerdings nicht, dass es sinnvoll ist sich ein Feindbild aufzubauen, gegen das man ankämpfen muss. Der wahre Feind sitzt in unseren Köpfen. Und dort beginnt auch die Veränderung. Wenn wir das begreifen – so bin ich überzeugt – können wir wirklich etwas verändern auf dieser Welt.

In diesem Sinne: OCCUPY OUR MIND – OCCUPY OUR HEART – OCCUPY TOGETHER – UNITE!

Freiheit – um sich selbst und seiner Umgebung begegnen zu können

Freiheit hat nichts damit zu tun, Dein Denken oder gar Dein ganzes Leben auf einen Schlag aufzugeben und zu ändern. Vielmehr geht es darum frei Denken und Leben zu lernen, oder es wieder zu erlernen.

Bevor dies geschehen kann, musst Du jedoch zuerst Deine eigenen Ansichten kennen, Deine Gefühle verstehen. Du solltest wissen, weshalb Du bestimmte Ansichten hast und was Dir Deine Gefühle sagen wollen. Du musst lernen zu sehen, was in Deinem Leben und Deiner Umgebung ist, was sich abspielt, ohne das Geschaute in irgend einer Weise zu werten; weder gut noch schlecht. Lernen, einfach zu sehen.

Dogmen und Zukunftspläne können wir nicht einfach aufgeben und fallen lassen. Wir können Sie höchstens unterdrücken – Freiheit unterdrückt jedoch nicht. Diese Konzepte haben einen festen Platz in unserem Leben eingenommen, zum Teil sind Sie über Jahre und Jahrzehnte im einzelnen von uns herangewachsen und haben sich gefestigt. Wenn wir nun beginnen einfach dagegen anzukämpfen, unterdrücken wir uns also selber. Viel sinnvoller ist, dass Du begreifst, dass es eben „nur“ Deine eigenen Träume sind, Deine eigenen Ansichten und Vorstellungen vom Leben – Dein Plan. Doch solltest Du Dich an diesen Konzepten nicht stur festklammern, sie zu Deinem Lebensinhalt machen und Dich ihnen unterordnen. Du solltest erkennen, dass diese Dogmen und Dein Denken wertvolle Werkzeuge sind und lernen, sie dementsprechend einzusetzen.

Geraten wir beispielsweise in so genannten Stress, liegt das meist daran, dass wir einfach zu viel auf einmal wollen. Wir denken also zu viel. Sich darüber jetzt nochmals den Kopf zu zerbrechen, führt jedoch in eine Endlosspirale. Der Weg besteht viel mehr darin, die blockierte Energie wieder zum Fliessen zu bringen. Dies können wir erreichen, indem wir uns ganz einfach Zeit nehmen (wir werden frei) und nichts tun. Sehr schnell wirst Du feststellen, dass, wenn Du nichts tust, Dir sehr viele Dinge einfallen, die vorher unter dem ganzen Strudel von Gedanken verborgen waren. Diese Dinge melden sich wieder bei Dir. Da vielfach allerlei bereits Verdrängtes Material so wieder in Dein Bewusstsein rückt, neigen wir dazu, uns schnell wieder zu verkrampfen und zu blockieren, weil es uns verängstigt oder beunruhigt. Wenn wir einfach mal nichts tun und frei werden, können wir verarbeiten, was uns wirklich beschäftigt, können wir entspannen ohne dass wir verdrängen müssen, ganz einfach deshalb, weil wir mit uns selbst und unserem Umfeld in Einklang kommen.

Wie aber soll es Dir nun möglich sein, inmitten dieser immer schneller verlaufenden Entwicklung und dem daraus resultierenden Stress frei zu werden – Zeit finden fürs Nichtstun? Diese Frage kann Dir nur Dein Eigenes Leben beantworten. Wenn Du beginnst, Deine Träume zu leben und Dich selbst langsam ernst nimmst (nicht immer nur die Meinung oder die Bestätigung der Anderen suchst), wirst Du lernen, dass die einzige Konstante, die sich Dir im Leben als freier Träumer bietet, jene ist, dass Du niemals alles wissen kannst. Früher oder später sollten wir begreifen, dass wir dem Leben immer unsicher gegenüberstehen werden, sollten lernen unsicher zu sein und dazu zu stehen. Unsicherheit ist nicht schlecht. Sie ist ein Gefühl, das uns wiederum als Werkzeug dienen kann. Sie mahnt uns zur Vorsicht – und die können wir auch gebrauchen auf unserem Weg zum freien Traum. Doch Vorsicht wiederum nützt Dir nur, wenn Du neugierig bist und Dich auf Entdeckungsreise begibst. Wenn Du Dich immer hinter dem vermeintlich sicheren Wall aus Dogmen und festgefahrenen Ansichten versteckst; Dich nicht getraust die Wahrheit – Deine eigene Wahrheit – zu entdecken und zu erforschen, wirst Du Deine Unsicherheit und Deine Vorsicht gar nicht gebrauchen können. Diese Gefühle würden Dich als Gefangener im eigenen Labyrinth nur verrückt machen.

Wenn Dein Traum erwacht ist und beginnt, sich zu befreien, wirst Du Deinen Weg finden, die Freiheit zu leben, denn erst wenn jeder, der Freiheit erlangen will, für sich selber und an seinem Platz so zu leben beginnt, als wäre sein eigener Traum bereits Realität, ist es möglich, dass auch andere von Deinem Traum erfahren und Vernetzung stattfindet. Doch sieht der Weg zur Freiheit nicht für jeden von uns gleich aus; es gibt keine Patentlösung. Jeder muss für sich selbst an seinen eigenen Blockaden arbeiten und deshalb muss jeder auf seine Art frei werden. Wir dürfen uns nicht von den Meinungen anderer, egal ob es sich dabei um Personen oder Organisationen handelt, abhängig machen lassen, dies führt nur dazu, dass wir eine falsche Sicherheit verspüren. Sicherheit die uns vorgibt angenommen, verstanden und akzeptiert zu sein. Nicht im Strudel der allgemeinen Verwirrung gefangen zu sein und darin abzutauchen. Sicherheit, zu wissen, wie alles ist, wie es läuft und wie es sein soll. An diesem Punkt sind schon viele Kriege entstanden und es ist eine traurige Tatsache, dass wir trotz unseres vermeintlichen Wissens, auch heute noch Gewalt anwenden, um eben genau dieses Wissen gegen eine andere Meinung durchzusetzen und Recht zu behalten. Wir sind alle wie kleine Kinder, die verängstigt sind durch all die vorherrschenden Meinungen, Rechte und Gesetze. Immer wurde uns gesagt, was zu tun ist, wer wir sein sollen, wie wir gut sind. So lange, bis wir nicht einmal mehr in der Lage sind, uns selber zu spüren; wie wir sind und was wir wollen. Da es aber nicht zulässig ist, dass wir nicht wissen, wer wir sind, beginnen wir, uns schnell nach jemandem umzusehen, der uns sagen kann, wer wir sind und wie wir uns verhalten sollen. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, wird es einem Menschen, der sich so orientiert, niemals möglich sein, seine eigene Freiheit zu leben. Er wird immer die Freiheit der anderen leben.

Wenn Du Deinen Weg konsequent weiter verfolgst, wirst Du feststellen, dass sich fast alle Deine Verpflichtungen aufzulösen beginnen. Dieser Prozess ist nicht immer einfach, da er vielfach die Einsamkeit mit sich bringt und viele kehren an diesem Punkt wieder um und bevorzugen das automatische Anerkennen der allgemein gültigen Dogmen. Doch erst aus der Reflexion Deiner eigenen Gedanken, Gefühle – Deinem eigenen Alleinsein (nicht Einsamkeit!) – kannst Du beginnen, von Deinem eigenen Kern aus, auf die Aussenwelt zu zugehen.

Freiheit kann nur durch frei werden erreicht werden, deshalb ist auch das nicht – Freie gut, denn schliesslich liegt darin der Weg zur Freiheit verborgen. Oder mit anderen Worten ausgedrückt: erst wer Gefangenschaft erlebt hat, weiss wonach er sich sehnt, wenn von Freiheit gesprochen wird und ist bereit, den langen und schwierigen Weg dorthin auf sich zu nehmen.